kartoffelngeschichte

Eine kurze Kulturgeschichte der Kartoffel

Machu Picchu_PeruDie Menschen nutzen die Kartoffel bereits seit über 8000 Jahren – zuerst in den südamerikanischen Anden. Doch erst vor rund 600 Jahren begann ihr Siegeszug rund um den Erdball. Heute ist die Kartoffel auf jedem Erdteil zu finden.

Kartoffeln stammen aus Südamerika

In Peru und Bolivien nutzen die Indios bereits vor rund 8000 Jahren verschiedene Sorten von Wildkartoffeln als Nahrungsmittel. Die Inka begannen im 9 Jahrhundert nach Christus den Anbau der Kartoffel zu kultivieren. Im 16. Jahrhundert bauten sie etwa 100 verschiedene Sorten an. In Folge der spanischen Eroberungsfeldzüge in Südamerika ab 1536 gelangten Kartoffeln über die Kanarischen Insel nach Europa. Erster Beleg: Ein alter Frachtbrief aus dem Jahr 1567 über eine Lieferung von Gran Canaria nach Antwerpen.

Über den Seeweg nach Europa

Nach England und Irland gelangten die Kartoffeln im selben Zeitraum über die Seefahrer Sir Francis Drake und Sir Walter Raleigh. In Irland begannen die Bauer ab 1588 mit dem Anbau von Kartoffeln, die sich schnell zum Hauptnahrungsmittel entwickelten. Die Robustheit der Pflanze ließ sie auch in dem herben Klima gut gedeihen. Doch entwickelte sich eine Monokultur, die nach Missernten Mitte des 19. Jahrhunderts zu verheerenden Hungersnöten führte.

Kartoffeln waren als giftig verrufen

Von Spanien aus gelangte die Kartoffel nach Italien und breitete sich dann langsam auf dem europäischen Festland aus. In Deutschland wurden ab Mitte des 16. Jahrhunderts Kartoffeln in Apothekergärten und den botanischen Gärten von Fürsten gezüchtet. In der Bevölkerung war die Akzeptanz zu Anfang sehr zurückhaltend. Die Kartoffeln galt äußerlich als wenig appetitlich und ihr wurde ein schlechter Geschmack nachgesagt. Außerdem gab es einen grundlegenden Respekt vor den als giftig bekannten Nachschattengewächsen, zu denen die Kartoffel gehört.

Kartoffelzucht auf königlichen Erlass

1796 erließ Friedrich der Großen den so genannten „Kartoffelbefehl“. Der Massenanbau wurde befohlen und überwacht. Die erzwungene Verbreitung der Kartoffeln verhinderte in den folgenden Jahren Hungersnöte während des Siebenjährigen Krieges.
Ihren endgültigen Durchbruch erlebte die Kartoffel in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die industrielle Revolution, da immer leistungsfähigere Landmaschinen den Anbau erleichterten.

Verbreitung um den gesamten Erdball

Nach Asien und Australien sowie Neuseeland gelangte die Kartoffel ab dem 17. Jahrhundert durch Seefahrer. Die hatten die Kartoffel als wichtigen Teil des Reiseproviants entdeckt, da ihr Vitamin-C-Gehalt der gefürchteten Mangelkrankheit Skorbut entgegenwirkte. Aber auch Siedler und Missionare verbreiteten die Kartoffel.
In Afrika wurde die Kartoffel erst im 19. und 20. Jahrhundert in Folge der Kolonisation eingeführt.
Der kontinuierliche Anstieg der globalen Kartoffelernte in den letzten Jahrzehnten geht allein auf das Konto der Entwicklungsländer, vor allem in Asien. In China werden heute ein Fünftel der weltweit geernteten Kartoffeln produziert – auf einer Fläche der Größe Niedersachsens.
In der Entwicklungspolitik spielt der Kartoffelanbau eine wichtige Rolle. Die Pflanze kann durch ihre hohe Robustheit in unterschiedlichen Klimazonen gedeihen und ist sehr nahrhaft und ertragreich. Außerdem kann sie auch als Rohstofflieferant angebaut werden.

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