kartoffel linda

Der Streit um die Kartoffelsorte Linda

2005 sollte die Kartoffelsorte Linda vom Markt verschwinden. Das zumindest plante der Rechteinhaber, die Europlant Pflanzenzucht GmbH. Doch Verbraucher und Züchter liefen Sturm gegen die Entscheidung. Die Folge war ein jahrelanger Streit um Lizenzen, kommerzielle Interessen und Verbraucherwünsche, den der Kunde nur schwer nachvollziehen konnte.

Eine Kartoffel soll vom Markt genommen werden

Ende 2004 wäre das Sortenschutzrecht für die Kartoffelsorte Linda nach 30 Jahren ausgelaufen. Dessen Inhaber, Europlant, hätte dann keine Lizenzgebühren erhalten, die beim Verkauf von Saatgut der Sorte angefallen wären. Also wollte Europlant Linda aus dem Register des Bundessortenamtes streichen lassen. Die Begründung: Linda sei sehr anfällig für Fäule und nicht resistent gegen Schädlinge und Krebs. Zudem seien die Kocheigenschaften nicht stabil, sie wandelten sich während der Lagerung von fest- zu mehligkochend. Diese Probleme hätte die Sorte Belana nicht, die Europlant stattdessen vermarkten wollte. Belana hätte Verbrauchern bei Testessen auch besser geschmeckt.

Proteste von Kartoffelbauern, Verbänden und Verbrauchern

Gegen diese Entscheidung protestierten der Züchter und Biobauer Karsten Ellenberg und mehrere Verbände. Sie argumentierten, dass eine beliebte Sorte nicht auf Grund kommerzieller Interessen vom Markt genommen werden dürfte. Letztendlich entscheide der Kunde, ob ihm eine Kartoffel schmecke. Und Linda hatte zwar nur einen Marktanteil vor einem Prozent, war aber besonders bei Käufern von Bio-Produkten sehr beliebt. Eine ständig wachsende Nische, die bedient werden wollte. Außerdem appellierten die Unterstützer, es im Interesse der Sortenvielfalt auch nach Ablauf des Sortenschutzrechts zu ermöglichen, Linda anzubauen. Es entstand ein „Freundeskreis Linda“ und es fanden in mehreren Bundesländern Demonstrationen für dem Erhalt der Kartoffelsorte statt.

Verlängerte Fristen, Klagen und Widersprüche

Ellenberg beantragte beim Bundesortenamt eine Verlängerung der sechsmonatigen Auslauffrist. Die Behörde entsprach dem und verlängerte die Frist um zwei Jahre, bis zum 30. Juni 2007. Ein Widerspruch von Euroland blieb erfolglos. Daraufhin verklagte das Unternehmen das Bundessortenamt: Es habe in der Annahme der kürzeren Auslauffrist bereits Saatgut im Wert von mehreren hunderttausend Euro vernichtet. Die Klage wurde abgewiesen.
Gleichzeitig klagte Euroland gegen Bauern, die Linda weiter anbauten und erwirkte am 27. Juli 2005 eine Verfügung, dass deren Äcker gerodet und die geernteten Kartoffeln bis zu einer endgültigen Entscheidung unter Verschluss eingelagert werden mussten. Am 14. November 2005 schlossen die Parteien einen Vergleich: Die Beschlagnahme wurde aufgehoben und die Bauer übergaben die Kartoffeln an Euroland zur Vermarktung als Pflanzkartoffeln 2006. Damit hatte Euroland die Fristverlängerung akzeptiert.

Auszeichnung und Neuzulassung

Im Frühjahr 2007 wurde Linda von mehreren Umweltverbänden zur „Kartoffel des Jahres“ gekürt. Kurz darauf erklärte Euroland, die Sorte auch 2007 zu vermarkten. 2008 importierte Karsten Ellenberg Linda-Kartoffeln aus Schottland. Gleichzeitig trieb er eine Zulassung der Sorte Linda im EU-Ausland voran. Die hätte dann auch Gültigkeit in dem Mitgliedsland Deutschland. Das geschah schließlich im August 2009 in Großbritannien.
2010 erteilte das Bundessortenamt dann Karsten Ellenberg dann die Neuzulassung für Linda in Deutschland. Somit kann Linda als deutsche oder europäische Kartoffelsorte unbegrenzt als Pflanzkartoffel in den Handel gebracht werden. Die Zulassung gilt für zehn Jahre und kann ohne Zustimmung von Europlant verlängert werden.

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